
Verdientes Denkmal für einen außergewöhnlichen Aussteiger - Zu den bedeutendsten traditionellen Werten der amerikanischen Nationalidentität gehört die Freiheit - Freiheit in dem Sinne, dass man sein Leben ohne Einmischung höherer Instanzen gestalten kann, wie es einem gefällt. Das kann die Freiheit bedeuten, schnell reich zu werden. Oder aber auch sich die Freiheit zu nehmen, aus der Enge des Materialismus auszusteigen. Zu denen, die letzteres radikal vollzogen haben, gehört Chris McCandless. Gleich nach seinem Studium brach der junge und mit vielen Talenten gesegnete Bursche mit seinem gesellschaftlichen und familiären Umfeld und zog sich fortan ohne ein Wort des Abschieds in ein asketisches Leben in totaler Autonomie als Alexander Supertramp zurück. 1992 fand man seine Leiche in einem ausrangierten Bus in der Wildnis Alaskas, in der er an Hunger und Auszehrung verstarb.Der Fall erregte in den USA einiges Aufsehen und motivierte den Journalisten Jon Krakauer zu einer Spurensuche durch McCandless` Leben. Sein Buch In die Wildnis: Allein nach Alaska zeichnet ein intimes Porträt dieses außergewöhnlichen jungen Menschen und nimmt den Leser mit auf dessen spannende Pilgerreise quer durch den nordamerikanischen Kontinent. Krakauer erhellt, worin McCandless spirituelle Suche bestand und reflektiert jene biographischen Wurzeln, in denen sein Wanderschicksal vorherbestimmt scheint. Das Charisma McCandless` gibt der Autor derart überzeugend wieder, dass sich der Leser auch im Nachhinein diesem nicht zu entziehen vermag und dadurch besser seine Wirkung auf jene Menschen versteht, die seinen Weg kreuzten. Krakauers kriminalistische Recherche deckt dabei die Tragik in McCandless Tod auf, der auf einen Fehler zurückzuführen ist, dem auch einem erfahrenen Waldgänger hätte unterlaufen können. Damit wiederfährt ihm endlich Gerechtigkeit gegen die Vorverurteilungen als Geistesgestörter, Dilettant und Selbstmörder. Krakauer kommt zu dem Schluss, dass McCandless letztendlich an seinem enormen Selbstbewusstsein gescheitert ist, das in gefährlicher Überschätzung seiner tatsächlichen Möglichkeiten und Kräfte in Hybris umschlug.Die Reaktionen auf McCandless Geschichte polarisieren zwischen Bewunderung und Ablehnung. Während die einen gedacht haben, bei dem sind ein paar Schrauben locker, weckt er bei anderen trotz des tödlichen Ausgang seines Weges Bewunderung für seinen Versuch, nur von dem zu leben, was die Natur hergibt: Ich wette, von denen, die McCandless als unfähig verschreien, hat es kaum einer versucht ... die meisten Leute haben keine Ahnung, wie schwierig das in Wirklichkeit ist. Und McCandless hat es beinahe hingekriegt., zitiert Krakauer einen Biologen aus Alaska.Der Rezensent selbst bleibt ratlos und betroffen zurück und weiß nach der Lektüre nicht, was er von McCandless halten soll. Ist McCandless für die Verwirklichung seiner Träume zu weit gegangen? War er zu rücksichtslos gegen sich und andere, als dass er als Vorbild dienen könnte, wie wir unsere eigenen Träume verwirklichen sollen?Wie auch immer, Krakauer hat Chris McCandless ein verdientes Denkmal gesetzt und ihn eingeordnet in die lange Tradition amerikanischer Aussteiger, seit die Frontiers auf der Flucht vor dem Vormarsch der amerikanischen Zivilisation Stück für Stück nach Westen zogen. Wer Sehnsucht auf einen Trip In die Wildnis hat, gewinnt mit Krakauers Buch einen anschaulichen und harten Einblick darüber, was von einem Menschen dafür abverlangt wird.
Zu wenig Tiefgang - Die Grundgeschichte des Buches hat mir sehr gut gefallen. Das was ,,Alex sich in seinem Leben gewagt hat und die Tatsache, dass er sich getraut hat so zu leben, wie er es möchte, finde ich beeindruckend. Aus literarischer Sicht allerdings betrachtet bin ich der MEinung, dass das Buch viel zu wenig Tiefgang besitzt. Orte werden nicht präzise genug beschrieben, man kann sich in die Geschichte nur wenig hineinleben. Man hat keine richtigen ,,Bilder vor Augen. Daher nur 3 Sterne
Super Buch über einer Aussteiger der ein paar fatale Fehler machte - Jon Krakauer schafft es in dem Buch wieder einmal einen Tatsachenbericht spannend und informativ zu beschreiben. Dabei macht es überhaupt nichts, daß man den Ausgang der Geschichte schon kennt. Trotzdem will man wissen, was dem jungen Mann in der Wildnis passiert ist.Man stelle sich einmal vor: Chris McCandless hat gerade einen erstklassigen College-Abschluß gemacht, lebt in einer normalen bürgerlichen Familie und soll demnächst an der Universität studieren.Dann beschließt er seine gesamten Ersparnisse Oxfam zu spenden und auszusteigen. Erst zieht er durch die USA und macht eine Reihe von Bekanntschaften. Allerdings ist es sein Traum den Stampede-Trail in Alaska zu erkunden.Dabei will er sich auf das Notwendigste beschränken, d.h. er will für seine Nahrung selbst sorgen und sich von den vorhandenen Tieren und Pflanzen ernähren. Durch kleine Fehler kommt Chris in eine lebensbedrohliche Situation, die er dann auch nicht überlebt. Krakauer beleuchtet, wie es dazu kommen konnte. Dabei versucht er so objektiv wie möglich zu erläutern, ob es sich bei Chris nur um einen unvorbereiteten Spinner handelt, der in der Wildnis nichts zu suchen hatte und selbst Schuld an seinem Tod ist oder ob er einfach nur Pech hatte und nie vor hatte sich ernsthaft in Gefahr zu bringen.Ein wirklich tolles Buch, daß inzwischen auch von Sean Penn verfilmt wurde.
Das Ende eines Idealisten - Rühmlich oder unrühmlich, das ist hier die Frage. Alex Supertramp ist ein Aussteiger par excellence, der zunächst noch die Nicht-Aussteiger für seine allmähliche Selbstverwirklichung braucht. Er ist Abenteurer, Freiheitssucher und mit wenig gibt er sich nicht zufrieden. Er will seine Wünsche auf die Spitze treiben. Er sagt dem Materialismus ab, den Zwängen und Lügen der amerikanischen Gesellschaft und versucht in die Natur auszubrechen, hin zum wirklichen Leben. Zu spät begreift er, dass die Natur auch kein Garten Eden ist und dass manche Errungenschaften, nicht so sehr der Zivilisation, sondern der Sozialisation durchaus Sinn machen. Das ist ein überraschendes Ende, das Krakauer mit Hilfe von Tagebuchnotizen des tödlich Verunglückten beschreibt, das Alex nimmt, denn er will aussteigen vom Aussteigen. Alex` Ende ist grausam und zeigt, dass man die Wildnis nicht romantisieren kann. Hier von einem Unglück zu reden, wäre vielleicht nicht die richtige Wortwahl. Hätte Alex auf solch sinnvolle Artefakte wie eine Landkarte, die er absichtlich zurücklässt, nicht verzichtet, oder sich zumindest genauer über die örtlichen Verhältnisse erkundet, hätte er sich leicht retten können. Erfahrene Abenteurer planen immer Notfälle mit ein, wenn sie ihre Sondertouren machen. Idealismus braucht Kohlehydrate notwendiger wie menschliche Wärme! Hier war Alex zu blauäugig, überambitioniert, vielleicht auch einfach dumm. Ja, übertriebener Idealismus ist manchmal nichts als Dummheit. Es wäre aber falsch den jungen Mann zu verurteilen, er hat seine Entscheidungen getroffen und dafür bezahlt. Hat er die Selbstbestimmung gefunden? Nein, denn der Mensch kann nicht für sich existieren, die Freiheit, die manche suchen, ist nur ein Abstraktum, und die Natur ist gar nicht nett! Und in sich selbst findet der Mensch auch keine Freiheit. Insoweit hat Alex genug Zeit für Meditation gehabt, um das festzustellen. Dafür gebührt ihm mehr Achtung als denen, die ihr Leben mit Meditation zubringen und dennoch nichts dazulernen. Die Natur ist so wie sie ist. Und ohne den Mensch ist sie gar nichts. Die Natur ist für den Mensch da, aber sie weiß nichts davon. Aber der Mensch muss es wissen! Der Aufenthalt in der Natur gibt einem wunderbare Gelegenheit über sich nachzudenken. Krakauer lässt durchblicken, dass Alex sein Ziel erreicht haben könnte, seinen Idealismus ganz, bis zum leider bitteren Ende auszuleben. Er gleicht darin im Grunde auch nur den viel gescholtenen Bergsteigern, die trotz der Risiken unbedingt das extreme Erlebnis haben müssen. Dabei bleibt nur die Hoffnung, dass anstelle der romantischen Verklärung eines Lebens in der Wildnis oder der angestrebten Einheit mit der Natur - eine Sache, die es natürlich nicht geben kann - , sich im Angesicht des sicheren Todes die schlichte Erkenntnis durchgesetzt hat, dass ein Leben, das lieben und geliebt werden kann, das sinnvollste oder lobenswerteste ist. Immerhin eine Menge Erkenntnisse für einen jungen Mann unserer Tage.Ein lesenswertes Buch. Aus den Tagebuchaufzeichnungen hätte Krakauer mehr machen können. Aber vielleicht wollte er nur der Versuchung widerstehen zu viel hineinzuinterpretieren, ist er doch selber ein Mitglied im Club der Extremisten, jedenfalls bis zur Everestragödie, die er nur knapp überlebt hat, gewesen! Am Ende werden sie alle klein, spätestens im Angesicht des Endgültigen!
Tiefer als der Film - Wer den Film mag und noch mehr über Chris, seine Lebensumstände und Philosophie erfahren möchte, sollte dieses Buch lesen. Der grosse Unterschied zum Film ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Chris Lebensweise, nachdem er (Chris) von vielen als pubertärer Spinner abgetan wurde. Krakauer weiss diese Thematik strukturiert und mit vielen Parallelen (u.a. mit seinem eigenen Leben) zu behandeln. Wem im Film die Tränen in den Augen standen, als Franz Chris verabschiedete, wird noch mehr berührt sein, wenn dessen Nachgeschichte erzählt wird - nur ein Beispiel von vielen, im Buch doch tiefergehenden Ausführungen über Chris Leben.